ISHA Kolumne: Warasdiner Aufstand 1919

Die Kolumne dieser Woche ist dem hunderten Jubiläum einer der Zweige der Oktoberrevolution 1917 während der Nachkriegszeit in kroatischen Gebieten gewidmet. Diese Tage prägte der Untergang der Ungarischen Sowjetischen Republik, welche Bela Kun führte, und für die ganze Periode sind Aufstände charakteristisch, inspiriert von der großen Revolution in Russland. Der Aufstand von Warasdin 1919 richtete sich gegen die neu errichtete autoritäre und monarchistische Herrschaft des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen und die Aufstandskämpfer wollten unter anderem eine Volk, Arbeiter und Bauern favorisierende Warasdiner Sowjetische Republik errichten welche sich später in der Region Hrvatsko Zagorje und den Rest von Kroatien hätte ausbreiten sollen. Der ganze Aufstand dauerte ungefähr zwölf Stunden und verbreitete sich nicht weiter als die Umgebung von Warasdin.

In der Nachkriegszeit gab es in der Region von Warasdin in den Dörfern viele Streiks und Rebellionen, die meisten endeten blutig. In einigen Dörfern planten und durchführten die Bauern die Redistribution von Land. Angst vor dem Bolschewismus verbreitete sich unter den bürgerlichen und herrschenden Gesellschaftsschichten, auch in den Kirchen wurde gegen den Sozialismus gepredigt, die Autoritäten führten stärkere Repressionen durch und minderten die Freiheit, verbaten die sozialistischen Versammlungen wie auch die Feier des Ersten Mai, welche jedoch trotzdem stattfand. Das Benehmen der Herrschenden gegenüber den Arbeitern und Bauern   war äußerst repressiv, was ihren Widerstand nur stärkte. Einige Tage vor dem Aufstand, am zwanzigsten Juli 1919, findet eine chaotische Konferenz der regionalen Abteilungen der Sozialdemokratischen Partei Kroatiens und Slawoniens und der Sozialistischen Arbeiterpartei Jugoslawiens (Kommunisten), welche sich in linke und rechte Sozialisten teilte, statt. Die Linken, welche sich für revolutionäre Methoden einsetzten im Gegensatz zum Reformismus der Rechten bzw. der Sozialdemokraten, waren diejenigen die man am meisten für den Aufstand schuldig machte. Das letzte wichtige Ereignis vor dem Aufstand war der erfolgreiche Generalstreik am 21. Juli 1919 in Warasdin, ausgelöst als Protest gegen die militärische Intervention in Russland und Ungarn.

Am 23. Juli 1919 um 4 Uhr morgens fing der Aufstand mit dem Revolt eines Kavallerieregiments des Warasdiner Garnisons, welche unter anderem wegen niedriger Löhne protestierten, an. Die Soldaten waren hauptsächlich bäuerlichen und proletarischen Ursprungs und waren wie die Großzahl der Bevölkerung unter den Einfluss neuer Trends in der Politik gekommen. Die Bürger, die Arbeiter und die Bauern schlossen sich ihnen an. Dem Aufstand verhalf auch die schwere ökonomische Lage nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) wie auch die Nachrichten über ein neues System in welchem sich die Herrschaft in den Händen der Arbeiter und Bauern befindet und wessen Ursprung die Oktoberrevolution war. Diese Ideen waren den Proletariern und den Bauern attraktiv, denn sie waren arm und mangelten Rechte, man hörte auch viel über diese unglaublichen Ereignisse von ehemaligen Kriegsgefangenen die aus Russland zurückkamen.

Die Teilnehmer, die geographische Lage und die verbreitete Propaganda weisen darauf hin dass auf den Aufstand die Ungarische Sowjetische Republik Einfluss hatte, welche nur ein paar zig Kilometer von der Stadt Warasdin entfernt war. Einen Tag davor gab es einen ähnlichen Aufstand der Armee in der slowenischen Stadt Marburg an der Drau, aber ohne Unterstützung der Bevölkerung, und man versuchte auch in diesen Monaten einen Aufstand in Esseg durchzuführen.

Laut dem damaligen Gespan von Warasdin wusste man vom Aufstand sogar einen Monat zuvor. Die Autoritäten behaupteten dessen Anführer sei der Veteran der Oktoberrevolution Ivan Ferencak (1894-1969), bekannt als Mate Sagovac, welcher nach einigen Zeugnissen vor dem Aufstand unter der Bevölkerung zusammen mit Franjo Blazaic agitierte. Franjo Blazaic aus Warasdin-Töplitz wurde später von den Zeitungen “abstoßender bolschewistischer Aufhetzer” benannt. In der Agitation nahm auch Ante Ciliga (1898-1992) teil, welcher später auch im Aufstand von Prostina in Istrien 1921 teilnahm. Die Autoritäten beschuldigten die regionalen linken Sozialisten für die Agitation unter den Soldaten die rebellierten.

Bild 1: Ivan Ferencak bekannt als Mate Sagovac (1919), bolschewistischer Agitator und laut den Autoritäten Führer des Aufstandes (Quelle: WikiCommons)

Die Aufstandskämpfer bewaffneten sich im Warenhaus des Militärs “Tricesima” (Zollstation) und befreiten aus dem Gefängnis des Gerichtshofes politische Häftlinge die sich dem Aufstand anschlossen und ihn auch teilweise führten. Unter ihnen waren Sozialisten die in den vorigen Monaten inhaftiert wurden, wie Josip Drvaric oder die junge Gizela Blazevic, Schwester des erwähnten Franjo Blazevic. Der Aufstand wurde wahrscheinlich vom zivilen Militärrat geleitet welcher die Bürger durch eine Proklamation einlud sich der “Jugoslawischen Volksarmee” anzuschließen. Um den Bürgern Angst einzujagen drohte Oberst M Todorovic sogar er würde die Stadt bombardieren falls sie sich dem Aufstand anschließen. Es kam zu Straßenkämpfen und einer der Punkte von denen die Aufstandskämpfer schossen war der Glockenturm der Paulinerkirche (heute die Kathedrale der Himmelfahrt der seligen Jungfrau Maria). Die Aufstandskämpfer hatten einige Maschinengewehre und wollten auch die Kanonen aus einer der Kasernen in Beschlag nehmen, scheiterten dabei jedoch weil sie einer der Unteroffiziere überlistete als er ihnen mitteilte diese funktionieren nicht. Die Anzahl der Aufstandskämpfer war zwischen zwei hundert und vier hundert, vielleicht   waren es mehr. Sie besetzten die Straßen, sangen die Marseillase und proklamierten ihre Forderungen. Sie stürmten das Gebäude der Gespanschaft und hatten unter ihrer Besatzung den ganzen nördlichen, südlichen und westlichen Teil der Stadt, nur der östliche Teil blieb unter Kontrolle der königlichen Armee. Als sie herausfanden dass in Warasdin eine Republik gegründet wird, kamen Bauern aus der Umgebung um sich dem Aufstand anzuschließen. Ein Teil der Bauern nahm Warasdin-Töplitz unter Kontrolle und sie hätten später nach Warasdin kommen sollen.

Bild 2: Der heutige Turm der Kirche der Pauliner aus welchem die Aufstandskämpfer ihre Angriffe führten (Fotografiert von David Rozic)

Der Aufstand wurde bis 16 Uhr mit Hilfe des Vierten und Fünften Infanterieregiments der Stadt niedergeschlagen, zur Hilfe eilten ihnen auch die Gendarmerie und die Armee aus der Umgebung, unter denen auch die Kavallerie aus Tschakathurn. Ein großer Fehler der Aufstandskämpfer war dass sie nicht die wichtigen Ortschaften besetzt hatten, wie die Post, die Telegramstation, die Telefonstationen und den Bahnhof, was die Autoritäten ausnutzten um ihre Korrespondenz ungestört zu leiten. Auf beiden Seiten gab es tote und verwundete, die Autoritäten gaben zu die Aufstandskämpfer hatten tapfer gekämpft, mangelten aber an guter Führung. In der Stadt wurde nach dem Aufstand Ausgangssperre eingeführt. Eine Suche nach den Aufstandskämpfern und deren Waffen wurde durchgeführt. Viele Aufstandskämpfer endeten in einem Gefängnis in Nisch (Serbien) wo sie wegen schlechter Umstände auf Hungerstreik gingen. Letztendlich wurden sie freigelassen als Teil der Besprechungen über das Retten der Regierung wobei sich die Sozialdemokraten der Regierung hätten anschließen sollen.

Verfasst von David Rozic

Übersetzt von Gaspar Saric

Bild 3: Warasdiner die im Aufstand teilgenommen hatten, im Gefängnis in Nisch 1920 (Quelle: Jahrbuch des Städtischen Museums von Warasdin, Nummer 5, 1975)

Quellenverzeichnis:

  1. Koprivica-Oštrić, S. (1983). Vojnička pubuna u Varaždinu 23. srpnja 1919. Povijesni prilozi 2, 2, str. 65–94. Zagreb: Institut za historiju radničkog pokreta Hrvatske.
  2. Rožić, D. (2017). Komparacija bune u Varaždinu 1919. i Labinske Republike 1921. (Završni rad). 
  3. Runjak, J. (1967). Pregled radničkog pokreta u Varaždinu. Prilozi historiji Varaždina 1967. str. 39–96. Varaždin: Narodno sveučilište “Braća Ribar”.
  4. Štager, I. (1975). Buna u Varaždinu 1919. godine. Godišnjak Gradskog muzeja Varaždin 1975, 5, str. 87–95. Varaždin: Gradski muzej Varaždin


Ostale verzije članka / Other versions of the article:

English/engleskiespañol (castellano)/španjolski (kastiljski)français/francuskihrvatskislovenščina/slovenski

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s